Mit zwei Rädern im Camper gestartet, fünf Tage Trails gefahren und das Rotwild trotzdem nicht ausgeladen: Mein Bikepark-Roadtrip führte von Leogang über den Großen Arber bis Winterberg. Dazwischen lagen lange Abfahrten, alte Bekannte, kalte Nächte und ziemlich guter Kaffee.
Am Donnerstag lieh ich mir den Vito Camper meines Vaters, packte mein NS Bikes Define und das Rotwild RE 375 ein und fuhr los. Der Plan war bewusst einfach: möglichst nah an Leogang kommen, dort ein langes Wochenende fahren und danach schauen, wie weit Beine, Wetter und Lust noch tragen.
Genau für so einen Trip funktioniert ein Camper hervorragend. Man kommt abends irgendwo an, klappt das Dach auf und ist im Grunde fertig. Am nächsten Morgen gibt es Kaffee, etwas zu essen und die Reise geht weiter.

Leogang: erst einrollen, dann Wurzeln
Am Freitag kam ich gegen Mittag in Leogang an, konnte direkt im Hotel Bacher einchecken und lief kurz über das bereits eröffnete Bike-Festival. Ein paar alte Bekannte begrüßen, das Ticket für das Wochenende holen und dann möglichst schnell aufs Rad. Viel mehr Programm brauchte es nicht.
Zum Einrollen fuhr ich zunächst die Steinberg Line. Danach wollte ich aber den für mich neuen Back to the Roots ausprobieren. Der Name passt: steil, wurzelig, ruppig, mit Stufen und ohne die großen gebauten Anlieger einer klassischen Bikepark-Line. Ich war dort ziemlich nah an meinem Limit. Genau deshalb war es eine gute Runde.
Schon am ersten Nachmittag merkte ich, wie anders lange Abfahrten mit vielen Höhenmetern belasten. Zu Hause sind die Strecken kürzer und die Erholung kommt schneller. In Leogang sammeln sich Unterarme, Hände und Beine deutlich früher im eigenen Körperbericht.


Ein voller Samstag ohne volle Strecken
Am Samstag traf ich mich um zehn Uhr mit Freunden. Wir fuhren uns durch einen großen Teil dessen, was an diesem Wochenende offen war: Steinberg Line, Hangman, Flying Gangster und Bongo Bongo. Nach der Mittagspause hängte ich noch zwei Runden auf der Steinberg Line an.
Besonders angenehm war, dass der Park trotz Festival nicht überlaufen wirkte. Am Lift gab es kaum Wartezeit, auf den Strecken konnte jeder sein Tempo fahren und an den Starts entstand kein Gedränge. So wird aus einem anstrengenden Tag kein hektischer Tag.
Abends ging es gemeinsam zur Oktoberfest-Party ins AsitzBräu. Die Bahn fuhr bis spät in die Nacht. Das war eine ziemlich besondere Art, nach einem langen Bikepark-Tag noch einmal auf den Berg zu kommen.
Sonntag: weniger Runden, mehr Naturtrail
Am Sonntag meldeten sich Arme und Muskulatur sehr deutlich. Also keine Jagd nach möglichst vielen Abfahrten. Ich fuhr noch einmal locker die Steinberg Line und wechselte anschließend auf die andere Seite zur Forsthofalm.
Der Forsthof Trail und der AlteSchmiede Trail waren für mich noch einmal echte Highlights. Beide fühlen sich natürlicher an als die breiten Bikepark-Autobahnen, die Linien entstehen stärker aus dem Gelände und das Fahren verlangt mehr Aufmerksamkeit. Genau diese Art Trail liegt mir einfach.

Der beste Kaffee des Trips
Nach dem Auschecken fuhr ich weiter Richtung Großer Arber. Zum Sonnenuntergang fand ich einen Stellplatz, stellte den Vito ab und richtete mich für die Nacht ein.
In der Nacht wurde es deutlich kälter als erwartet. Der Große Arber ist eben nicht nur groß im Namen. Irgendwann zog ich eine zweite Schicht an und war ziemlich froh über das Aufstelldach, auch wenn es dort oben natürlich nicht wärmer wurde.
Am nächsten Morgen stellte ich den kleinen Campingtisch vor den Vito und setzte die Bialetti auf den Kocher. Nach der kalten Nacht war dieser Kaffee genau das Richtige zum Aufwärmen und eines der stillen Highlights des Trips. Kein Festival, kein Lift und kein Trail. Nur Morgenlicht, Bergsilhouette und ein paar Minuten, in denen nichts weiter passieren musste.


Arber: klein genug zum Erkunden, breit genug zum Bleiben
Den Bikepark Arber kannte ich vorher nicht. Am Montagmorgen war fast nichts los, die Beschilderung war klar und ich konnte mich ohne Anstehzeit durch die vorhandenen Strecken bewegen.
Die Bandbreite hat mich überrascht: sehr smoothe Lines zum Reinkommen und Lernen, daneben technische Singletrails mit Steinen, Wurzeln und echter Linienwahl. Nur die größeren Jumplines ließ ich aus. Sie werden ihre Fans haben, waren an diesem Tag aber nicht das, wonach ich gesucht habe.
Nach einem halben Tag reichte es. Nicht, weil der Park nichts mehr hergegeben hätte, sondern weil noch eine lange Etappe vor mir lag: quer nach Winterberg.

Winterberg und die vernünftige letzte Entscheidung
Am Abend stellte ich den Vito im Vorgarten von Freunden ab und schlief dort im Auto. Dazu gab es noch Abendessen. Am nächsten Morgen folgten ein sehr gutes Frühstück und Kaffee aus einer richtigen Siebträgermaschine. Nach der Bialetti am Berg war das die luxuriöse Gegenbewegung.
Im Bikepark Winterberg startete ich locker auf der Schneewittchen-Seite und wechselte später auf Freeride und Flow Country. Die Schwalbe Loose Lee war an diesem Morgen gesperrt. Nach ein paar weiteren Fahrten und einer Mittagspause war allerdings auch so klar, dass fünf Bikepark-Tage Spuren hinterlassen.
Eigentlich sollte am nächsten Tag noch Willingen folgen. Mit Blick auf den Wetterbericht und auf meinen inzwischen ziemlich müden Körper entschied ich mich dagegen. Nicht jede mögliche Runde muss auch gefahren werden. Ich packte das Rad ein und fuhr nach Hause.


Was von fünf Tagen bleibt
Das NS Bikes Define war für den gesamten Trip genau das richtige Rad. Das Rotwild fuhr gut gesichert mit, wurde aber kein einziges Mal ausgeladen. Rückblickend hätte ein Rad gereicht. Trotzdem war es beruhigend, die Wahl zu haben.
Noch wichtiger war die Mischung: Freunde treffen und gemeinsam fahren, aber auch Zeit allein haben. Zwei Nächte im Hotel, drei Nächte im Camper und drei sehr unterschiedliche Bikeparks. Sportlich war es fordernd, im Kopf aber genau die Pause, die ich gesucht hatte.
Zu Hause wurde der Vito ausgeräumt, ausgesaugt und wieder so vorbereitet, dass mein Vater ihn übernehmen kann. Die Arme waren müde, das Auto sauber und die nächste Version so eines Trips im Kopf schon ziemlich konkret.
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