Im letzten Beitrag war mein SOUR Purple Haze endlich startklar. Was noch fehlte, war die erste längere Tour. Die bekam das Rad nun – mit Zeche, Schotter, Gyros, Fähre und einem Ende, das so nicht geplant war.
Für eine erste richtige Ausfahrt braucht es manchmal kein großes Ziel. Es reicht ein guter Grund, überhaupt loszufahren. In diesem Fall hieß der Grund: Gyros essen mit Flo in Castrop-Rauxel.
Flo steckt hinter Rockster TV, kennt die Radwege und Gravel-Verbindungen im Ruhrgebiet und hatte Lust, mich auf einem Teil der Rückfahrt zu begleiten. Also klickte ich mir in Komoot eine Route zusammen, stellte das Rad am Vorabend noch einmal grob ein und fuhr los.

Trocken gestartet. Kurz nass geworden. Einfach weiter.
Das Wetter passte ziemlich gut zu dieser Art Tour. Es war trocken, nicht zu warm und die Wolken sorgten dafür, dass die Sonne nicht ständig von oben drückte. Einmal kam ein kurzer Regenschauer. Der war allerdings schneller vorbei, als sich darüber zu ärgern lohnte – ich fuhr praktisch direkt wieder aus der Wolke heraus.
Unterwegs musste ich nur die Sattelhöhe leicht korrigieren. Danach passte die Position erstaunlich gut. Kein langes Herumprobieren, kein Grund, die Tour abzukürzen. Das Purple Haze fühlte sich vom ersten Kilometer an angenehm unaufgeregt an.
Bis zum ungeplanten Ende kamen 55,28 Kilometer und 621 Höhenmeter zusammen. Mit 2:52:48 Stunden Bewegungszeit und durchschnittlich 19,2 km/h war es laut Strava sogar meine längste Radfahrt im Jahr 2026.


Ein kurzer Halt an der Zeche Zollern
Auf dem Weg nach Castrop-Rauxel kam ich an der Zeche Zollern vorbei. Das Fördergerüst und die alten Backsteingebäude sind eine dieser Ruhrgebiets-Kulissen, an denen man nicht einfach vorbeifahren sollte, wenn das neue Rad zum ersten Mal richtig unterwegs ist.
Also kurz anhalten, Rad vor das Tor stellen und ein Bild machen. Genau solche Stopps gehören für mich zu einer guten Tour. Nicht, weil sie im Trainingsplan stehen, sondern weil sie den Tag später wieder zurückholen.
Das eigentliche Ziel: Gyros
In Castrop-Rauxel wartete Flo vor dem Rhodos Grill & Gyros. Das Restaurant war nicht einfach irgendein Zwischenstopp, sondern der Anlass für die gesamte Runde. Zwei Gyros-Teller später war klar: Die Anfahrt hatte sich gelohnt.
Für mich war das eine glatte 10 von 10. Wer im Ruhrgebiet nach einem richtig guten Gyros- oder Taxi-Teller sucht, sollte sich die Adresse merken. Viel Fleisch, Pommes, Zwiebeln, Zaziki – kein kompliziertes Essen, aber genau das Richtige zwischen Hin- und Rückfahrt.


Die Rückroute entstand unterwegs
Nach dem Essen hielten wir uns nicht mehr streng an meine geplante Komoot-Route. Flo kannte sich aus und schlug vor, über den Kemnader See zurückzufahren. Also folgten wir später einfach der Radwegbeschilderung und kamen dort heraus, wo am selben Tag das Zeltfestival Ruhr gestartet war.
Von dort ging es an der Ruhr weiter. Die geplante Strecke war längst nicht mehr entscheidend. Wir hatten gute Wege, genug Zeit und mit Flo jemanden dabei, der wusste, welche Abzweigung tatsächlich weiterführt.


Mit der Fähre zur Burgruine Hardenstein
Einer der schönsten Abschnitte war die Überfahrt mit der RuhrtalFähre Hardenstein. Sie verbindet den RuhrtalRadweg zwischen der Schleuse Herbede und der Burgruine Hardenstein. Räder an die Reling, kurz übersetzen und für ein paar Minuten einfach nur auf Wasser, Wald und Ruine schauen.

Später trennten sich unsere Wege. Flo fuhr über den Rheinischen Esel zurück Richtung Castrop-Rauxel. Für mich sollte es von dort aus eigentlich weiter nach Hause gehen.
Das Rad bestand. Der Reifen nicht.
Kurz nach der Trennung war die Tour dann vorbei. Ein Platten wäre normalerweise kein großes Drama gewesen. Diesmal hatte der Mantel allerdings einen größeren Schnitt abbekommen. Ein neuer Schlauch hätte daran nichts geändert.
Passend zu diesem ungeplanten Ende meldete sich genau in dem Moment ein Bekannter, der nach Feierabend einfach telefonieren wollte. Ich fragte direkt, ob er statt eines Telefonats vielleicht Zeit für eine kleine Abholaktion hätte. Hatte er. Wenig später lagen Rad und Fahrer im Auto – und für den Rettungsdienst gab es zu Hause noch einen guten Kaffee.

Der erste echte Eindruck vom SOUR Purple Haze
Vom Reifenschaden abgesehen hat das Rad genau das bestätigt, was ich mir vom Aufbau erhofft hatte. Es fährt sich sehr angenehm, ruhig und unkompliziert. Kein schnelles Performance-Rad und mit Rack, Schutzblechen, Lichtanlage und Taschen auch kein Leichtgewicht. Für lange Strecken ist es aber genau diese Gelassenheit, die ich gesucht habe.
Die Microshift-Sword-Gruppe schaltete einwandfrei. Nur an die Anordnung der Hebel musste ich mich kurz gewöhnen. Der Brooks Cambium C15 funktionierte ebenfalls ohne jede Beschwerde – während der Tour und auch am Tag danach.
Vor allem fühlt sich das SOUR nicht so an, als müsste ich es noch grundsätzlich verändern. Die Sitzposition passt, der Aufbau ergibt unterwegs Sinn und das Rad macht Lust auf längere Tage. Der Mantel wird ersetzt. Der Plan bleibt: noch einige Touren, mehr Kilometer und vermutlich ziemlich viel Spaß zusammen.
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