Manchmal entstehen die besten Grillabende aus einem Plan, den man verwirft.
Eigentlich wollten wir an diesem Wochenende Burger auf dem Feuerfass machen. Ein Freund, der uns das Fass vor einiger Zeit besorgt hatte, war mit seinem Sohn eingeladen. Genau diesen Abend hatten wir ihm schon länger versprochen.
Doch die anhaltende Trockenheit und der mögliche Funkenflug fühlten sich nicht richtig an. Zwischen Rasen, Büschen und Terrasse wollten wir kein unnötiges Risiko eingehen. Also blieb das Feuerfass aus.
Die Alternative waren fünf Kilogramm Schweinenacken, der Keramikgrill und ein Gericht, auf das ich ohnehin schon lange wieder Lust hatte. Pulled Pork lässt sich entspannt vorbereiten und kann so lange warmgehalten werden, bis wirklich alle am Tisch sitzen. Perfekt für einen Abend mit Freunden.

Der Morgen beginnt am Grill
Am Morgen habe ich den Schweinenacken großzügig mit Traeger Pork & Poultry Rub eingerieben und anschließend etwa 90 Minuten ziehen lassen. Noch besser ist es, das Fleisch bereits am Vorabend zu würzen und über Nacht im Kühlschrank ruhen zu lassen. So hat der Rub mehr Zeit, seinen Geschmack an das Fleisch abzugeben. Dieses Mal musste die kürzere Variante reichen.
Gegen 8:30 Uhr habe ich den Keramikgrill angefeuert. Bis sich die Temperatur stabil zwischen 110 und 120 Grad eingependelt hatte, verging ungefähr eine Stunde. Für eine leichte Rauchnote kam ein kleines Stück Buchenholz mit in die Kohle. Wirklich nur wenig. Das Pulled Pork sollte nicht vom Rauch dominiert werden.


Drei Stunden ohne nachzusehen
Ein MEATER Thermometer überwachte sowohl die Temperatur im Garraum als auch die Kerntemperatur des Fleisches. Danach hieß es erst einmal: Deckel zu und in Ruhe lassen.
In den ersten drei Stunden habe ich den Grill kein einziges Mal geöffnet. So verlockend der Blick unter den Deckel auch ist, jedes Öffnen kostet Hitze und verlängert den Garprozess. Stattdessen habe ich mich auf die Werte in der App verlassen.
Danach wurde das Fleisch ungefähr alle 45 Minuten mit einer Mischung aus Apfelsaft und Apfelessig besprüht. Dadurch blieb die Oberfläche leicht feucht und konnte gleichzeitig eine schöne, würzige Kruste entwickeln.

Zeit statt Hektik
Wenn scheinbar nichts mehr passiert
Bei ungefähr 70 Grad Kerntemperatur begann die Plateauphase. Die Temperatur steigt dann für längere Zeit kaum oder nur noch sehr langsam an.
Das kann beim ersten Pulled Pork nervös machen. Tatsächlich passiert während dieser Phase einiges. Feuchtigkeit verdunstet, Kollagen wird langsam umgewandelt und das Fleisch entwickelt nach und nach seine weiche, saftige Struktur. Jetzt hilft vor allem Geduld. Die Temperatur nicht hektisch erhöhen und den Prozess möglichst wenig unterbrechen.
Einwickeln und weiter warten
Bei rund 75 Grad Kerntemperatur habe ich den Schweinenacken vom Grill genommen und fest in Alufolie eingewickelt. Mit in das Paket kamen einige Stücke Butter und der Rest der Mischung aus Apfelsaft und Apfelessig. Danach ging es zurück auf den Grill.
Ab ungefähr 92 Grad Kerntemperatur habe ich regelmäßig mit einem zweiten Thermometer geprüft, wie weich das Fleisch bereits war. Die Temperatur ist dabei nur ein Anhaltspunkt. Entscheidend ist das Gefühl beim Einstechen. Gleitet der Fühler fast ohne Widerstand durch das Fleisch, ist es fertig. Bei etwa 95 Grad war genau dieser Punkt erreicht.

Fertig, bevor alle am Tisch sitzen
Nach insgesamt acht Stunden und 30 Minuten auf dem Grill kam das Pulled Pork direkt in eine Coleman Kühlbox. Dieses Mal allerdings nicht zum Kühlen, sondern zum Warmhalten.
Dort durfte das Fleisch noch einmal rund 90 Minuten ruhen, während Julia und ihre Geschäftspartnerin von ihrem Termin zurückkamen und sich nach und nach alle am Tisch versammelten. Genau das macht Pulled Pork für solche Abende so entspannt. Es muss nicht minutengenau serviert werden. Das Fleisch wartet warm und gut verpackt, bis alle da sind und wirklich Hunger haben.


Auf den Tisch, was gerade passt
Gezupft habe ich das Fleisch in derselben großen Schale, in der es am Morgen gewürzt worden war. Darin befand sich noch ein kleiner Rest des Rubs, der zusätzlich Geschmack gegeben hat. Dazu kam etwas Blues Hog Champions' Blend BBQ Sauce. Gerade genug, um das Fleisch abzurunden, ohne den Eigengeschmack zu überdecken.
Serviert wurde ganz unkompliziert mit gegrilltem Mais, Brot und verschiedenen Dips. Von den Tagen zuvor waren außerdem noch einige Burger Buns übrig. Wer wollte, machte sich daraus einen Pulled Pork Burger. Der Rest aß das Fleisch einfach pur. Keine komplizierte Anrichteweise, kein festes Menü. Alles kommt auf den Tisch und jeder nimmt sich, worauf er gerade Lust hat.



Mehr als acht Stunden Fleisch auf dem Grill
Das Pulled Pork war richtig saftig, weich und würzig. Trotzdem war das Essen am Ende nur ein Teil dieses Tages.
Wir saßen noch lange gemeinsam auf der Terrasse. Die Kinder spielten miteinander, das Wetter war plötzlich genau richtig und zum Abschluss gab es einen Sonnenuntergang, für den niemand seinen Platz verlassen wollte.
Vielleicht war es also ganz gut, dass das Feuerfass an diesem Abend ausblieb. Denn manchmal geht es beim Grillen nicht um das ursprünglich geplante Gericht. Es geht darum, etwas vorzubereiten, den Tag laufen zu lassen und am Abend mit Freunden an einem Tisch zu sitzen.
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